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Bewirtschaftungsalternativen für den Privatwald?

Fachexkursion der Waldbesitzerinnen NRW e.V. zu diesem Thema führte nach Salem an den Bodensee in die Waldungen des Markgrafen von Baden

„Gibt es eine sinnvolle Alternative zur Beförsterung durch den Landesbetrieb Wald und Holz NRW?“ Dieser Frage gingen 22 Waldbesitzerinnen des Vereins Waldbesitzerinnen NRW e.V. nach, als sie Mitte September zu ihrer diesjährigen mehrtägigen Fachexkursion nach Salem am Bodensee aufbrachen.

Nach Ausführungen des Prinzen Michael von Baden gliedert sich der markgräfliche Besitz in ca. 1000 ha Landwirtschaft, ca. 150 ha Weinbau und ca. 3000 ha Wald. Zur fachgerechten Bewirtschaftung des Waldes wurde nicht eigenes Personal eingestellt, sondern als neue Lösung die „WALD PLUS GmbH“ gegründet.

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In der WALD PLUS GmbH sind als Gesellschafter zu 40 % der Waldbesitz, zu 20 % Forstfachleute und zu 40 % die Holzindustrie beteiligt. So soll gewährleistet werden, dass die gesamte Wertschöpfungskette Interesse an einer gedeihlichen Zusammenarbeit hat, um so die verschiedenen Produktions-prozesse aufeinander abzustim-men und zu optimieren.

Die Leistungen der WALD PLUS GmbH können von privaten Waldbesitzern und Waldbesitzerinnen vertraglich in Anspruch genommen werden.

Wichtige Grundlage der Bewirtschaftung ist ein auf den Zielvorstellungen der Eigentümer und Eigentümerinnen beruhendes Waldbewirtschaftungskonzept, das – kombiniert mit natürlichen Ressourcen der Betriebe, angepassten Verfahrenstechniken sowie moderner Datenverarbeitung und Informationstechnologie – zu größtmöglicher Wertschöpfung für den Privatbetrieb führen soll.

Forstingenieur und Betriebsleiter Schenkel legte bei der Vorstellung der Dienstleistungsmodule besonderen Wert auf die Trennung von waldbaulicher und technischer Produktion, um eine hohe Effektivität und volle Transparenz sicherzustellen.

Im Wald selbst konnten sich die Waldbesitzerinnen aus NRW von der hohen Qualität sowohl der Durchforstungs- als auch Pflanzarbeiten überzeugen. Auch Waldumbaumaßnahmen wurden vorgestellt: Im Wald des Markgrafen von Baden sind tiefgründige, gut wasserhaltende Böden mit Lößlehmauflage weit verbreitet. Da hier die Douglasie in etwa den doppelten Zuwachs gegenüber der Fichte erbringt, wird konsequent – allerdings nur auf den dafür geeigneten Standorten – auf Douglasie als Hauptbaumart hingearbeitet.

Das untenstehende Bild zeigt die Waldbesitzerinnen aus NRW gemeinsam mit Herrn Schenkel und Frau Neumann (u.l.) neben einer beeindruckenden 120jährigen Douglasie, die eine Höhe von 56 m und einen Durchmesser von 108 cm aufweist.

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Es wurde allerdings auch deutlich, dass die betrieblichen Erträge zu einem hohen Anteil sowohl von den standörtlichen Gegebenheiten als auch von der Besitzstruktur abhängen. Es ist daher nach wie vor am wichtigsten, für jeden Betrieb eigene Ziele festzulegen und die Bewirtschaftung darauf auszurichten.

Ein weiteres forstliches Highlight der Fahrt war die Besichtigung des Arboretums auf der Insel Mainau. Das Arboretum wurde unter Großherzog Friedrich I., dessen besondere Vorliebe seltenen Gehölzen aus aller Welt galt, begründet. Nachdem die Insel Mainau im Jahre 1853 in seinen Besitz gelangte, ließ er hier mehr als 500 verschiedene Arten von Laub- und Nadelgehölzen, darunter Urweltmammutbäume (Metasequoia glyptostroboides) und Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum), verschiedene Zedern und Tulpenbäume pflanzen. Sie sind heute die ältesten ihrer Art in Europa.

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Bei herrlichstem Wetter besichtigten die Waldbesitzerinnen NRW e.V. das Arboretum auf der Insel Mainau

Als kulturelle Höhepunkte der Fahrt gestalteten sich die Besichtigung der Wallfahrtsbasilika Birnau sowie ein Besuch des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen. Kulinarisch konnte eine Führung im Backdorf Häussler in Heiligenhaus und die Weinprobe beim Markgrafen von Baden beeindrucken.

Die Waldbesitzerinnen konnten von ihrer Fahrt viele interessante Eindrücke gewinnen und fachliche Anregungen für die Bewirtschaftung der eigenen Forstbetriebe mitnehmen. Die Fahrt wurde auch zum persönlichen Austausch und zum Festigen von freundschaftlichen Kontakten genutzt. Die sehr gute Organisation und die durchweg gute Stimmung aller Beteiligten ließ die Fahrt zu einem vollen Erfolg werden.

Sie interessieren sich für eine Mitgliedschaft im Verein der Waldbesitzerinnen NRW e.V.? Dann schauen Sie vorbei auf www.waldbesitzerinnen-nrw.de, dort finden Sie alle weiteren Informationen.

(Antje Lange)

 

 


Infomaterial zur Nachlese:

Haus Merlsheim 2015

Passau April 2016

Generalversammlung 2014

2013 Forstfrauentagung

Frauen, Wald und Holz - eine Nachhaltige Angelegenheit.

Waldbauerntag Werl 24.09.2014